Wissenschaftliche Begleitung der Integrierten Armuts- und Sozialberichterstattung im Land Berlin

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Zum Hintergrund der wissenschaftlichen Begleitung

Die Bekämpfung von Armut stellt eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen dar, insbesondere in städtischen Ballungsräumen wie Berlin. Laut Ergebnissen des Mikrozensus 2022 weist Berlin eine Armutsgefährdungsquote von 18,6 % auf: Etwa jede fünfte Person in Berlin ist potentiell von Armut betroffen. Armut zeigt sich dabei nicht nur durch fehlendes Einkommen, sondern umfasst verschiedene Dimensionen des sozialen Lebens und der sozialen Teilhabe. 

Derzeit fehlen im Land Berlin ein ressortübergreifendes, einheitliches Verständnis von Armut, sozialer Lage und sozialer Infrastruktur sowie eine einheitliche, fundierte Datengrundlage. Die Integrierte Armuts- und Sozialberichterstattung im Land Berlin (IASB) verfolgt das Ziel, bisherige Sozialberichterstattungen des Landes Berlins zu bündeln und in Form regelmäßiger Berichte und Sonderauswertungen zu veröffentlichen. Ziel der wissenschaftlichen Begleitung war es hierzu eine konzeptionelle Grundlage zu schaffen, um die Möglichkeiten der Berliner Politik zu verbessern, zielgerichtete Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zu entwickeln und deren Wirkung langfristig zu evaluieren.

Über die wissenschaftliche Begleitung

Die wissenschaftliche Begleitung der IASB verfolgte drei Hauptziele: 

  1. die Entwicklung eines ressortübergreifenden, einheitlichen Verständnisses der Konzepte Armut, soziale Lage und soziale Infrastruktur, 
  2. die Gewinnung differenzierter Erkenntnisse zu diesen Themen, insbesondere auch im Hinblick auf Auswirkungen für betroffene Menschen sowie deren Bewältigungsstrategien im Umgang mit Armut und 
  3. die Einbindung relevanter Stakeholder im Prozess der wissenschaftlichen Begleitung, um ein gemeinsames Verständnis zu fördern und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Die wissenschaftliche Begleitung der IASB erfolgte mittels eines Mixed-Methods-Ansatzes, der qualitative und quantitative Methoden kombiniert und sich in drei Module gliedert, die aufeinander aufbauen und sich ergänzen.

Modul 1: Qualitative Studie

Ziel dieser Studie war es, durch 20 tiefgehende Interviews die Lebenssituationen verschiedener armutsgefährdeter Gruppen in Berlin (u. a. Alleinerziehende und Nutzende von Tafeln) detailliert zu erfassen. Dabei standen individuelle und soziale Auswirkungen prekärer Lebenslagen sowie die subjektiven Bewältigungsstrategien der Betroffenen im Mittelpunkt. Die Studie untersuchte zudem, inwieweit die Betroffenen über die vor Ort verfügbare soziale Infrastruktur informiert sind, und warum bestimmte Angebote möglicherweise nicht genutzt werden.

Modul 2: Entwicklung eines Indikatorensets

Aufbauend auf den Ergebnissen der qualitativen Studie wurde ein bereichsübergreifendes Konzept zum Verständnis der Begriffe Armut, soziale Lage und soziale Infrastruktur sowie deren Operationalisierung in Form eines Indikatorensets entwickelt. Hierbei wurden bereits existierende Daten und Kennzahlenmodelle des Landes Berlin genutzt und gegebenenfalls ergänzt. Das Ergebnis war eine Zusammenstellung von 30 Indikatoren, welche die unterschiedlichen sozialen Lagen in Berlin adequat abbilden.

Modul 3: Organisation des Workshops

Zur Validierung und Überarbeitung des Indikatorensets wurde ein Workshop mit relevanten Stakeholdern organisiert und am 14.10.2024 durchgeführt. Hier wurden die erarbeiteten Indikatoren vorgestellt und diskutiert, um sicherzustellen, dass sie den realen Gegebenheiten entsprechen und praktisch anwendbar sind.

Publikation

Reyes, A. / Groß, R. / Eckl, V. / Theel, T. (2025). Armutsbetroffenheit aus subjektiver Perspektive. Studie im Auftrag der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung (Hrsg.). IASB Fokusbericht. Berlin.

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