Evaluation des Projekts „LeseOasen – Leseförderung in Ganztag und Hort“ für Save the Children Deutschland e.V. 

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Hintergrund und Projektansatz

Lesekompetenz gilt als Schlüsselkompetenz und Grundlage für die soziale Teilhabe. Das Recht auf Bildung, und damit verbunden die Chancengleichheit, sind wichtige Bestandteile der UN-Kinderrechtskonvention, die die Grundlage für weitere Rechte, wie die Beteiligung am kulturellen Leben sowie den Zugang zu Informationen und Meinungsbildung bilden. Ungleiche Ressourcen, wie der Zugang zu Materialien, der deutschen Sprache sowie anderen Formen von Förderung führen jedoch zu Ungleichheiten in der Lesekompetenzentwicklung. Die kinderrechtsbasierte Leseförderung setzt entsprechend beim Abbau von Hürden bei Kindern an, die von Bildungsbenachteiligung betroffen sind.

Das Projekt „LeseOasen – Leseförderung in Ganztag und Hort“ wird seit 2018 durch Save the Children Deutschland e.V. (SCDE) umgesetzt und phasenweise regional ausgeweitet. Ganztagsbetreuungseinrichtungen werden finanziell bei der Gestaltung einer lesefreundlichen Umgebung – den LeseOasen – unterstützt und konzeptionell beraten. Trainer*innen begleiten die Fachkräfte in der Projektumsetzung und unterstützen sie dabei, Leseförderung niedrigschwellig und partizipativ zu gestalten. Ergänzt wird dies durch einrichtungsübergreifende Netzwerkaktivitäten. Durch die Unterstützung mit Fachwissen und Methoden soll ein Bewusstsein für die kinderrechtsbasierte Leseförderung und Beteiligungsrechte auch in den Einrichtungsalltag übergehen und nachhaltig verankert werden. Durch positive Erfahrungen mit Büchern erhalten die Kinder erstmals einen Zugang zur Lesekultur und sollen ein Selbstbild als Lesende entwickeln. Die Projektbestandteile sollen partizipativ umgesetzt und Kinderrechte für die Kinder erfahrbar gemacht werden. Die Lesegruppen setzen sich außerdem anhand der zur Verfügung gestellten Bücher inhaltlich und lebensweltnah mit dem Thema Kinderrechte auseinander. 

Bisherige Erkenntnisse

Die InterVal GmbH führte von 2019 bis 2021 die Evaluation der ersten Projektphase durch, die die Untersuchung der praktischen Umsetzung sowie die Wirksamkeit des Ansatzes zum Ziel hatte. Es konnte gezeigt werden, dass die Zielgruppe der von Benachteiligungen betroffenen Kinder gut durch die Auswahl der Standorte und eine gezielte Ansprache in den Einrichtungen erreicht werden konnte. Wenn die Beteiligungsmöglichkeiten in der Gestaltung der LeseOasen groß waren, konnte außerdem eine besonders starke Identifikation der Kinder mit der LeseOase festgestellt werden.

Die zweite Projektphase wurde durch das iSPO-Institut evaluiert. Schwerpunkt war die Wirkung des Projektes auf die beteiligten Akteure. Die Rückmeldungen der Kinder fielen in großen Teilen positiv aus. Es wurde gezeigt, dass die LeseOase einen ruhigen Ort bietet, um sich ohne Druck mit dem Lesen zu beschäftigen. Zudem wurde festgestellt, dass die Projektteilnahme sowohl Leseflüssigkeit als auch -motivation erhöht. Auch das pädagogische Personal und die Einrichtungsträger profitieren durch eine Reihe von Anregungen und Impulsen für das Thema Leseförderung. 

Evaluationsauftrag und Vorgehen

Nachdem das Projekt an insgesamt 100 Einrichtungen in Berlin und Brandenburg (Phase 1) sowie Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt (Phase 2) implementiert wurde, soll es in der dritten Phase im Zeitraum von 2024 bis 2027 in weiteren Einrichtungen in der Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Region verankert werden. Die InterVal GmbH schließt in der Evaluation der dritten Projektphase mit neuen Untersuchungsschwerpunkten an die bisherigen Erkenntnisse an. Im Zentrum stehen die Kinderperspektive sowie die Umsetzung des kinderrechtsbasierten Ansatzes. Weiterhin werden das Leseförderprogramm sowie die Netzwerkaktivitäten von SCDE in den Blick genommen.

Es werden teilstandardisierte Befragungen sowie Fokusgruppen mit Kindern umgesetzt. Auch in der Durchführung der Evaluation ist der kinderrechtsbasierte Ansatz sowie die kindgerechte Konzeptualisierung der Befragungen zentral. Das Evaluationsteam setzt spielerische Methoden ein und bietet den Kindern unterschiedliche Möglichkeiten, sich sowohl verbal als auch non-verbal auszudrücken. Das Evaluationsteam befragt zudem pädagogische Fachkräfte persönlich sowie online und es sind Interviews mit Trägervertretungen von teilnehmenden Einrichtungen geplant. 

Die Ergebnisse der Evaluation werden in einem Abschlussbericht für den Auftraggeber aufbereitet sowie mit kindgerechten Postern in den Einrichtungen und an die Kinder kommuniziert. 

Teilstudie zum Thema Comics

Zusätzlich zu der Evaluation der LeseOasen führt InterVal eine Teilstudie zum Thema Comics durch. Ziel ist es, Erkenntnisse über den Lebensweltbezug von Comics zu gewinnen und den Fragen nachzugehen, ob das Medium positiv besetzt ist und sich Kinder mit Comics als Lesende wahrnehmen. So soll untersucht werden, ob Comics einen niedrigschwelligen und zielführenden Zugang zum Lesen herstellen können und sich Kinder durch sie perspektivisch auch an andere Bücher trauen. Die Teilstudie nimmt ausschließlich die Perspektive der Kinder auf das Genre Comic in den Blick.